Am Donnerstag, 14. September wagte das Zürcher Kammerorchester im Rahmen des Digital Festivals ein ganz besonderes Projekt: die Verbindung von Klassik und Techno, von Licht und Digitalkunst. Das Ergebnis – die «Digitalsymphony» – begeisterte das junge Publikum.

Es handle sich um ein Experiment, kündigte ZKO-Direktor Michael Bühler in seiner kurzen Ansprache im Schiffbau an, ein Versuch, verschiedene Künste zu koppeln. Der Versuch erfolgte in drei Etappen: Zuerst hörte das Publikum Johann Sebastian Bach in Originalform. Dadurch, dass die Zuhörer entweder auf Sofas sassen, an Stehtischchen standen oder es sich ganz unkompliziert am Boden bequem machten, war die Atmosphäre schon bei diesem ersten Teil der Digitalsymphony eine ganz besondere. Ab und zu klirrten die Gläser hinten an der Bar, dennoch horchten die Besucherinnen und Besucher aufmerksam zu.

Nach einer kurzen Pause wurde Bach zu «ÜberBach». Dabei traten neben dem ZKO der Pianist Sebastian Knauer und der Vibraphonist Fabian Ziegler gemeinsam auf. Der Komponist der Neukompositionen über Bach – Arash Safaian – sass hinter einem Synthesizer mit im Orchester. Plötzlich kam auch Bewegung vor die digital bespielte Wand im Hintergrund: Constanza Perotta und Manuel Renard begannen ihren Tanz mit der Choreografie von François Petit, näherten sich einander an, strebten zusammen nach oben, fielen gemeinsam zu Boden und auseinander. Das Publikum erhob sich zu Standing Ovations.

Den dritten Teil eröffnete das Orchester mit einem weiteren Stück aus der CD «ÜberBach» – nur, dass die Töne dieses Mal ziemlich bald in einem Loop mündeten und dort weiterdrehten … Bühne frei für den Beat und Pantha du Prince mit seinem Techno-Remix! Zusammen mit dem Rhythmus erweiterten sich auch die 3-D-Projektionen und die Bewegungen des tanzenden Paars.

«Ich bin ja ein ‹technology guy›, aber nach heute Abend überlege ich mir, bald wieder an ein klassisches Konzert zu gehen.»

Während Pantha du Prince nach dem Konzert weiter auflegte, unterhielten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer über das besondere vielschichtige Erlebnis. Zwei junge Männer waren eigentlich ans Digital Festival gekommen, um an Vorträgen das Neuste aus der Tech-Branche zu erfahren. Dass der Besuch der Digitalsymphony im Festivalpass inbegriffen war, freute die beiden. «Der Mix aus Streichinstrumenten und Techno hat mir sehr gut gefallen. Und der Pianist war genial», meinte der eine. Sein Begleiter pflichtete ihm bei: «Es war fantastisch! Ich bin ja ein ‹technology guy›, aber nach heute Abend überlege ich mir, bald wieder an ein klassisches Konzert oder ins Ballett zu gehen.»

Eine andere junge Besucherin erzählte, sie gehe oft an Techno-Parties, sei aber mit klassischer Musik aufgewachsen. «Daher finde ich es wahnsinnig toll, dass man heutzutage diese verschiedenen Stile miteinander verbinden kann. Techno galt lange als verrucht. Beim Konzert eben stand die Techno-Musik der Klassik als ebenbürtige Kunstform gegenüber – das hat mich sehr berührt.»