Gemeinsam mit dem ZKO wird der Schauspieler Klaus Maria Brandauer Shakespeares «Sturm» interpretieren – und dabei Musik und Wort als Einheit präsentieren.

«Wir sind aus solchem Stoff, wie Träume sind, und unser kleines Leben ist von einem Schlaf umringt.»
Prospero, «Der Sturm», 4. Aufzug, 1. Szene

Shakespeare-Forscher gehen davon aus, dass es sich beim «Sturm» um das letzte Stück handelt, das der Meister aus dem englischen Stratford geschrieben hat. Bis heute wird spekuliert, dass es sich bei der Hauptfigur, dem Zauberer Prospero, um eine Art Selbstporträt des Dichters handelt, der sich Gedanken über den eigenen Tod macht und sich mit dem Schwund seiner kreativen Macht abfinden muss.

Shakespeares Geschichte spielt auf einer entlegenen Insel, auf der Prospero im Exil lebt und Pläne schmiedet, seine Tochter Miranda zurück an die Macht zu bringen. Mithilfe magischer Kräfte beschwört er jenen Sturm herauf, der dem Werk den Namen gibt – und mit dem die Dinge ihren Lauf nehmen.

Seit jeher haben Shakespeares Bühnenstücke grosse Musiker inspiriert: Felix Mendelssohn zum «Sommernachtstraum», Giuseppe Verdi zu Opern wie «Otello», und Pjotr Iljitsch Tschaikowsky vertonte «Romeo und Julia». Wenn Klaus Maria Brandauer nun Teile aus Shakespeares «Sturm» in der Tonhalle lesen wird, werden die ZKO-Musiker und Daniel Hope hauptsächlich Werke von Wolfgang Amadeus Mozart auf den Pulten liegen haben. Für Klaus Maria Brandauer ist dieses Konzert das letzte Projekt als Artist in Residence des Zürcher Kammerorchesters. Dabei möchte er einmal mehr Klang und Wort miteinander verbinden.

Klaus Maria Brandauer, im «Sturm» geht es unter anderem um Macht und um den Umgang des Menschen mit ihr. Das Thema scheint in unserer Zeit aktuell wie nie. Was können Politiker heute von Prospero lernen?Demut – selbst Prospero, dem Weisheit und magische Kräfte zu Gebote stehen, hat nur einen begrenzten Einfluss auf den Lauf der Dinge. Am Ende fügt sich zwar alles, aber der Weg dahin ist nicht immer einfach. Shakespeare hat mit Prospero eine Idealfigur mit menschlichen Zügen geschaffen. Das macht zwar alle seine Figuren aus, aber bei Prospero ist das nochmals deutlicher.

Shakespeares Werke überdauern jede Zeit – und sind Inspiration für viele Musiker geworden. Ist Shakespeare nicht selber schon Musik? Was kann die Musik seinen Werken geben, was die Sprache allein nicht schafft? Shakespeares Werke gehören für mich zu den Grundpfeilern unserer Zivilisation. Sie sind aus sich selber heraus gültig und eigentlich schon viel zu komplett, als dass sie als Textvorlagen für eine Oper geeignet wären. Es gibt bei Shakespeare zu wenige offene Fragen, die man in virtuosen Arien musikalisch durchdeklinieren könnte. Die sieben Monologe im Hamlet verhandeln alles schon sehr umfassend, man könnte auch sagen erschöpfend. Shakespeare bewältigt seine Stoffe, das zeichnet ihn vor allen anderen aus. Da müssen einfach keine Gedanken in Musik weitergesponnen werden. Auch der «Sommernachtstraum» funktioniert ohne die Musik von Mendelssohn ganz wunderbar. All das spricht aber nicht dagegen, Text und Musik zusammenzubringen.

Sie arbeiten regelmässig mit Daniel Hope und dem ZKO zusammen, in der Saison 2016/17 gar als Artist in Residence. Einige Projekte sind bereits über die Bühne gegangen – was lernt ein Schauspieler aus der Zusammenarbeit mit Musikern? Das gemeinsame Atmen ist das Wichtigste. Wenn man nicht dran ist, heisst das keinesfalls, dass man Pause hat. Ich bin sehr gern dabei, wenn Musik im Spiel ist und mache das immer wieder. Die Schauspieler müssen musizieren und die Musiker sprechen, wenn das gelingt, dann kommen wir zum Gesamtkunstwerk und dann wird es gut. Was mir immer vorschwebt, ist eine Gleichberechtigung der Sparten, es geht darum, verbunden zu sein. Nur dann ist man auch interessant für das Publikum, und das erste Gebot für alle, die auf einer Bühne stehen, heisst ja: Du darfst nicht langweilen! ab

Das Interview lesen Sie auch im aktuellen OPUS.

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