THIS IS (NOT) BEETHOVEN

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Nach dem internationalen und preisgekrönten Erfolg von ÜBERBACH, folgt mit den BEETHOVEN VARIATIONS die zweite gemeinsame Produktion von Pianist Sebastian Knauer & Komponist Arash Safaian. Das in Variationsform von Arash Safain für Sebastian Knauer geschriebene Klavierkonzert trägt Themen von Ludwig van Beethoven anlässlich dessen 250. Geburtstages in die moderne Musikwelt von heute.

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Beschreibung

Der Komponist Arash Safaian hat ein ganz besonderes Verhältnis zu Ludwig van Beethoven. Im Alter von vier Jahren betrat er in der iranischen Hauptstadt Teheran zum ersten Mal ein Plattengeschäft namens «Beethoven». Dort angebotene Kassetten zeigten einen Mann mit wilder Mähne, der auch sonst im Laden omnipräsent schien. Diese Klassik-Tapes sollten zu seiner ersten bewussten musikalischen Erfahrung werden. Beethovens drittes Klavierkonzert wiederum, in der Aufnahme von Sviatoslav Richter, vorgespielt von seinem Vater, brachte ihn später selber ans Klavier. «In mir begann eine neue, völlig unbekannte Welt zu erwachen, die eine faszinierende Phantasie in mir auslöste», erzählt Safaian. «Eigentlich ist Beethovens Musik für mich keine Musik mehr, sie hat die Qualität einer intensiven Erinnerung. Sie rahmt und verdichtet die Gefühle meiner Kindheit».

Wenn man so will, wirken diese frühen Klang-Erlebnisse rund dreieinhalb Jahrzehnte später wie eine tiefe Grundierung zum aktuellen Projekt «This Is Not Beethoven», wobei «a phantasy» als Arbeitstitel stets mitschwang. Mit dem Anruf des Hamburger Pianisten Sebastian Knauer nämlich, der eine erneute Zusammenarbeit anregt, wird Safaians lange Verbindung zu Beethoven auf einen Schlag mit Leben erfüllt. Denn Knauer hat eine Idee. Er bittet ihn, ein Beethoven-Werk zu schreiben. Die Geister seiner Jugend einzufangen und neu aufzustellen. Bereits mit dem Album «ÜberBach», prämiert 2017 mit einem Echo Klassik, konnte das Team Knauer und Safaian mit einem kongenialen Konzertzyklus einen Ausnahmeerfolg landen. Nun wollten sie das Prinzip der Neukomposition aus ihrer Bach-Kooperation noch weiter vorantreiben. Noch eigenständiger, noch freier sollten diesmal ihre Variationen von Beethoven-Stücken sein. „Quasi Una Fantasia“ oder das Allegretto der 7. Symphonie werden meisterlich verarbeitet, verändert, weitergedacht und wie in einer großen Fantasie zu einem einzigartigen Klavierkonzert zusammengestellt. Für Sebastian Knauer eine Huldigung an Beethoven und seine Musik.

Gemeinsam mit dem Zürcher Kammerorchester (ZKO) und der norwegischen Geigerin Eldbjørg Hemsing wird der aus 19 Stücken bestehende Zyklus von «This Is Not Beethoven» im Haus des ZKO eingespielt. Sebastian Knauer gilt nicht nur für die Wiener Klassik als ausgewiesener Stilexperte mit „sicherem Gespür für Tempi und Stil“ (Radio RBB). Der Meister des differenzierten Anschlags stellt sich hier neuen Herausforderungen. Bei seinen Kompositionen ging es Safaian schließlich darum, «aus festen Formvorstellungen auszubrechen und die kindliche Faszination wieder zu finden, die mich damals zur Musik verführt hatte. Frei zu sein von engen, theoretischen Diskursen und Dogmen der akademischen Musik».

Selbst wenn es im Jubiläumsjahr zu seinem 250. Geburtstag schwerfallen mag, Beethoven nicht als jenen Säulenheiligen zu betrachten, als der er weltweit präsentiert wird. «Mich inspirierte beim Komponieren nicht der Beethoven, der heute als ein Gott der klassischen Musik verehrt wird. Mich inspirierte der kämpfende, der vielfach gescheitere und um Befreiung ringende Beethoven.», sagt Safaian. Dabei löst er sich von einer erstarrten Praxis der musikalischen Avantgarde, die vielfach nur auf brachiale Stilmittel der Dekonstruktion setzt. Das Klavier, das mit dem Hammer bearbeitet wird, ist nicht sein Ding. Auch das Akademische in der Kunst reizt ihn nicht. Safaian stößt die Beethoven-Büste aus Gips vom Sockel und setzt aus den Scherben undogmatisch, aber mit großer Kenntnis sein Ouevre neu zusammen.

Beethoven hat sich seinerzeit nur zu gerne in der populären Volksmusik bedient, somit liegt eine Annäherung auch an die Techniken der heutigen Popkultur nahe. Das «Millionen Umarmende» aus dem Schlusssatz seiner 9. Symphonie wirkt für Safaian wie ein Credo. «Es waren populäre, zu den Menschen sprechende Themen, für die sich Beethoven entschieden hat.» So eröffnet die mit den Techniken der Minimal Music neu empfundene «Mondscheinsonate» einen Reigen, in dem jede einzelne Variation mehr ist als nur die sonst übliche Umgestaltung eines kurzen prägnanten Motivs. Sie ist vielmehr ein eigenständiger Satz. Frei entstanden, doch stets mit enger Geistesverwandtschaft zu einem bestimmten Werk Beethovens. Etwa «Barcelona Pavillion», das auf der Basis der Sonate op.106 entstanden ist und sich an einer formalen Klarheit orientiert, die auch in der Architektur Mies van der Rohes zu finden ist; aufgelöst in Harmonien. In «Variation I – VI» auf Basis des Allegretto der 7ten Symphonie werden klassische Variations-Techniken auf den Kopf gestellt, und quasi «freestyle» mit den Themen und Seitenthemen «Torso Belvedere» wiederum kommt der Kraft eines Rockstücks daher. Die Streicher rattern durch, komplexe Virtuosität strotzt vor Kraft. Kurzum: „This Is Not Beethoven“ erforscht seine Haltung, seinen stetigen Drang zum Unkonventionellen, gleichermaßen mutig und verletzlich. Ein populärer Rebell, der auch in der Jetztzeit die Verhältnisse zum Erklingen bringt.

Ralf Niemczyk